
Die Ringelnatter ist eine zentrale Tierart im Nahrungsnetz feuchter Lebensräume und in unserem Wald zuhause. Als Jägerin von Amphibien, Kleinfischen und Wirbellosen trägt sie zur Regulation dieser Tiergruppen bei. Gleichzeitig dient sie selbst als Beute für Greifvögel, Reiher und größere Säugetiere.
Ihr Vorkommen weist meist auf ein funktionierendes, strukturreiches Ökosystem hin. Als Bioindikator steht sie – ähnlich wie der Kleiber im Altholzwald – für intakte Lebensräume mit ausreichender Nahrungsbasis und guter Gewässerqualität.
Der Name „Ringelnatter“ geht auf die auffälligen, meist gelblichen halbmondförmigen Flecken hinter dem Kopf zurück, die wie ein Ring wirken. Sie sind eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale dieser heimischen Schlange – auch wenn sie je nach Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.
Besonders ist nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihr Verhalten: Die Ringelnatter ist eine ausgezeichnete Schwimmerin und oft in unmittelbarer Nähe von Wasser anzutreffen. Bei Gefahr setzt sie auf Täuschung statt Angriff – sie kann sich tot stellen oder ein übel riechendes Sekret absondern. Für den Menschen ist sie völlig harmlos und ein faszinierender, oft übersehener Bewohner unserer Gewässerlandschaften.
Die Beziehung der Ringelnatter zum Bodenleben ist vor allem indirekt, aber ökologisch bedeutsam.
Jungtiere nutzen ein breiteres Nahrungsspektrum und fressen neben kleinen Amphibien auch Regenwürmer und andere Wirbellose. Dadurch stehen sie in direktem Kontakt zum Bodenökosystem.
Von besonderer Bedeutung ist die Nutzung von Zersetzungsstrukturen: Komposthaufen, verrottendes Pflanzenmaterial, Totholz oder Wurzelbereiche dienen als Eiablageplätze und Winterquartiere. Die entstehende Zersetzungswärme, erzeugt durch Mikroorganismen und Bodenlebewesen, ist für die Entwicklung der Eier entscheidend.
Damit ist die Ringelnatter funktionell auf ein aktives Bodenleben angewiesen, auch ohne dieses gezielt zu nutzen.
Die Ringelnatter ernährt sich überwiegend von Amphibien und ist damit eng an Gewässer und deren Lebensgemeinschaften gebunden. Häufig bilden Frösche und Kröten – insbesondere Erdkröten und Braunfrösche – die wichtigste Nahrungsgrundlage. Darüber hinaus werden auch Molche, Fische, kleinere Säugetiere, Vögel, Eidechsen und verschiedene Wirbellose erbeutet.
Das Nahrungsspektrum ist dabei stark vom Lebensraum und vom Alter der Tiere abhängig: Jungtiere fressen vor allem kleine Beute wie Molche, Kaulquappen oder junge Frösche, während größere Weibchen auch kräftige Erdkröten überwältigen können.
Die Beute wird über Bewegung und Geruch wahrgenommen; mit ihrer gespaltenen Zunge nimmt die Ringelnatter Duftstoffe auf und führt sie dem Jacobson-Organ zu, das eine präzise Orientierung ermöglicht.
Gleichzeitig hat die Ringelnatter zahlreiche natürliche Feinde, darunter Krähen und Raben, Störche und Eulen, Greifvögel, Füchse, Marder, Katzen und Dachse.
Für das schleswig-holsteinische Seengebiet ist besonders der Weißstorch von Bedeutung, der in feuchten Niederungen gezielt auch Ringelnattern jagt. Auch Reiher, vor allem der Graureiher, gehören an Teichen und Gräben zu den häufigsten Fressfeinden.
Trotzdem ist dieser Druck nicht ausschlaggebend für den Rückgang der Art – entscheidend bleibt der Verlust geeigneter Lebensräume.
Die Verbindung der Ringelnatter zu Pflanzen und Pilzen ist vor allem strukturell und funktional.
Sie benötigt:
dichte Krautvegetation als Deckung
Röhrichtbestände (z. B. Schilf, Binsen)
strukturreiche Uferzonen
Totholz und verrottendes Pflanzenmaterial
Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in wärmeentwickelnden Substraten ab – etwa in Kompost-, Mist- oder Schilfhaufen. Diese Wärme entsteht durch die Aktivität von Pilzen, Bakterien und Bodentieren.
Die Art ist damit indirekt auf funktionierende Zersetzungsprozesse angewiesen – ein oft übersehener, aber zentraler ökologischer Zusammenhang.
🪵 Totholz und Ringelnatter — eine unterschätzte Beziehung
Neben ihrer Rolle als Zersetzer und Wärmelieferanten im Lebensraum der Ringelnatter treten Pilze auch als mögliche Krankheitserreger in Erscheinung.
Der Pilz Ophidiomyces ophiodiicola kann bei Schlangen Hauterkrankungen verursachen, die sich durch Veränderungen der Schuppen, Häutungsprobleme und Verletzungen der Haut zeigen.
Für die Ringelnatter bedeutet das: Neben dem Verlust von Lebensräumen gibt es auch weniger sichtbare Risiken.
Die Ringelnatter ist die häufigste heimische Schlangenart Deutschlands, wird jedoch bundesweit als gefährdet eingestuft.
In Schleswig-Holstein ist die Situation deutlich kritischer: Hier gilt sie als stark gefährdet. Hauptursachen sind:
Verlust geeigneter Feuchtlebensräume
Zerschneidung der Landschaft durch Straßen
Rückgang von Amphibienbeständen
Für den Kreis Plön liegen konkrete Untersuchungen vor, unter anderem zu Eiablageplätzen und Schlupferfolg. Das östliche Hügelland mit seinen Seen zählt zu den Verbreitungsschwerpunkten.
In der Geest hingegen sind die Bestände seit den 1980er Jahren stark zurückgegangen; aktuelle Nachweise fehlen vielerorts.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind widersprüchlich.
Mögliche Vorteile:
längere Aktivitätsperioden
bessere Entwicklungsbedingungen für Eier
höhere Überlebensrate von Jungtieren
Gleichzeitig bestehen Risiken:
Austrocknung von Laichgewässern
Rückgang von Amphibien als Hauptbeute
zunehmende Extremereignisse
Für die Region Plön mit ihrem hohen Gewässeranteil sind die Bedingungen derzeit vergleichsweise günstig – entscheidend bleibt jedoch der Erhalt stabiler Feuchtbiotope.
Historisch wurde die Ringelnatter oft positiv wahrgenommen und galt in Teilen Europas als „Hausschlange“ mit schützender Funktion.
Heute ist sie nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.
Ihre größte Bedeutung liegt in ihrer Rolle als Leitart für Feuchtbiotope: Maßnahmen zu ihrem Schutz – etwa die Anlage von Eiablageplätzen oder die Pflege strukturreicher Uferzonen – fördern gleichzeitig zahlreiche weitere Arten.
Die Ringelnatter steht in Deutschland unter besonderem gesetzlichen Schutz. Sie darf weder gefangen, verletzt noch getötet werden. Auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten – etwa Kompost- und Totholzhaufen, Schilfflächen oder Verstecke im Wurzelbereich – dürfen nicht gezielt zerstört werden. Wer eine Ringelnatter findet und mitnimmt, macht sich strafbar.
Rechtsgrundlage sind das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) und die Bundesartenschutzverordnung.
International ist die Ringelnatter im Anhang III der Berner Konvention gelistet – einem europäischen Abkommen zum Schutz wildlebender Tierarten und ihrer Lebensräume.
In der Roten Liste Schleswig-Holsteins wird sie als gefährdet geführt, bundesweit steht sie auf der Vorwarnliste. Diese Einstufungen sind keine Gesetze, fließen jedoch in Planungs- und Genehmigungsverfahren ein.
Was oft überrascht: Die Ringelnatter ist nicht im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) aufgeführt. Der europäische Schutz greift daher meist nur indirekt über den Erhalt ihrer Lebensräume.
Für die Ringelnatter werden viele dieser allgemeinen Maßnahmen ganz konkret wirksam – vor allem dort, wo Wärme, Feuchtigkeit und Deckung zusammenkommen.
Besonders wichtig sind Strukturen, die als Eiablageplätze, Verstecke und Winterquartiere dienen:
Besonders wertvoll sind dabei:
Ein zentrales Element ist dabei das Totholz:
Es verbindet verschiedene Funktionen im Wald miteinander. Ein einzelner Stamm kann gleichzeitig Lebensraum für Insekten und Pilze sein, Deckung bieten – und als Eiablageplatz dienen.
So wird sichtbar, wie eng Strukturvielfalt und Artenschutz im Wald zusammenhängen – oft ganz ohne zusätzlichen Aufwand.
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Ein besonderer Vorteil: Viele Beobachtungen werden durch Expert:innen überprüft und validiert.
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