Wald, Dauerwald und Zukunft der Forstwirtschaft
Ein persönlicher Bericht über eine Lesung mit Wilhelm Bode – und die zentralen Fragen zur Zukunft unserer Wälder.
Ein Abend mit Wilhelm Bode – Einblicke in Dauerwald und Waldzukunft
Am 19. März 2026 war ich zu Gast bei einer Lesung mit anschließender Fragerunde in der Buchhandlung Christiansen in Hamburg.
Im Mittelpunkt stand der Autor Wilhelm Bode – ein Abend, der Literatur, Forstpraxis und aktuelle Fragen der Waldentwicklung auf besondere Weise verbunden hat.
Wilhelm Bode – Dauerwald-Pionier und kritische Stimme
Wilhelm Bode, 1947 in Westfalen geboren, ist Jurist und Forstakademiker. Er leitete viele Jahre die saarländische Forstverwaltung und prägte die Waldpolitik in Deutschland maßgeblich mit.
Bereits Ende der 1980er Jahre führte er im Saarland die naturnahe Dauerwaldwirtschaft ein – ein Ansatz, der heute in vielen Bundesländern als Leitbild gilt. Besonders hervorzuheben ist auch seine Initiative zur Anerkennung der deutschen Buchenwälder als UNESCO-Weltnaturerbe im Jahr 2004 – ein bedeutender Schritt für den Schutz naturnaher Wälder.
Seine Bücher bewegen sich zwischen Nature Writing, forstlicher Praxis und gesellschaftspolitischer Einordnung.
Themen und Bücher des Abends
Im Mittelpunkt standen mehrere Werke, die unterschiedliche Perspektiven auf Wald und Nutzung eröffnen:
„Waldendzeit“
Ein ungewöhnlicher Zugang: Ausgehend von Caspar David Friedrichs berühmtem Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ stellt Bode die Frage, ob unser romantisches Waldbild möglicherweise schon früh einen kritischen Blick auf die Forstwirtschaft enthält. Er spannt einen Bogen über mehrere Jahrhunderte – und verbindet Kunst, Kulturgeschichte und aktuelle Waldkrise.
„Hasen – Ein Portrait“
Ein sehr persönliches Buch über ein oft übersehenes Tier.
Der Hase steht hier für Verletzlichkeit, Anpassungsfähigkeit und kulturelle Bedeutung – aber auch für die Auswirkungen von Jagd und Landschaftsveränderung.
„Overshoot – Rettet uns der Dauerwald?“
Sein aktuelles Thema ist hochaktuell: Der Begriff Overshoot beschreibt das Überschreiten der 1,5 °C-Grenze bereits im Jahr 2024.
Bode argumentiert, dass Klimaschutz nicht allein über CO₂-Reduktion gedacht werden kann, sondern stärker auf natürliche Senken setzen muss.
Sein zentraler Ansatz:
- Waldumbau hin zum Dauerwald
- Stärkung des Holzbaus, insbesondere im mehrgeschossigen urbanen Bereich
- Langfristige Nutzung des Waldes als CO₂-Speicher
Nur ein konsequent bewirtschafteter Dauerwald könne die nötige Menge an hochwertigem Nutzholz bereitstellen und gleichzeitig Stabilität im Klimawandel sichern.
Der Abend in der Buchhandlung Christiansen
Moderiert wurde die Veranstaltung von Sönke Christiansen, selbst Waldbesitzer. Das hat man deutlich gespürt: Die Diskussion blieb nicht theoretisch, sondern sehr nah an der Praxis. Im Zentrum standen Fragen, die viele Waldbesitzer:innen aktuell beschäftigen:
- Wie sieht eine zukunftsfähige Waldwirtschaft aus?
- Welche Rolle spielt der Dauerwald konkret?
- Wo liegen Konflikte zwischen Naturschutz und Nutzung – und wo gemeinsame Lösungen?
Die Kombination aus Lesung, Diskussion und persönlichem Austausch hat den Abend besonders lebendig gemacht.
Persönlicher Eindruck
Mich hat vor allem beeindruckt, wie klar und präzise Wilhelm Bode argumentiert. Nicht laut, aber deutlich – und durchaus konfrontativ, wenn er von einer Sache überzeugt ist. Viele seiner Gedanken wirken nach. Gerade weil sie nicht immer bequem sind.
Für mich als Waldbesitzerin war das keine abstrakte Theorie, sondern sehr nah an der eigenen Praxis. Viele Fragen, die ich mir im Wald stelle, haben an diesem Abend neue Perspektiven bekommen.
Ausblick: Symposium „Aufbauende Waldwirtschaft“
Ich werde Wilhelm Bode im Mai wiedersehen – beim Symposium „Aufbauende Waldwirtschaft“, bei dem er als Referent sprechen wird.
Nach diesem ersten persönlichen Eindruck bin ich sehr gespannt, wie er seine Ansätze dort weiter vertiefen wird.
Fazit: Wald zwischen Nutzung und Verantwortung
Der Abend hat gezeigt, wie wichtig der Dialog über Wald ist – zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft. Und auch, wie wertvoll es ist, Stimmen wie die von Wilhelm Bode zu hören: differenziert, erfahren und mit einem klaren Blick für die Herausforderungen der Zukunft.